Großer Zapfenstreich und Festkommers

Der Schützenverein Büchen und Umgegend e.V. kann auf erfolgreiche 100 Jahre Schützenwesen zurückblicken. Mit einem Großen Zapfenstreich mit der Marschband Müssen und dem Spielmannzug der Möllner Feuerwehr begann der Festkommers im Vereinsheim Waldhalle.

Gäste aus Fin nland - Schützenverein Liperi - Oberst Mika Sotikov mit Adjutantin Pia Kakanaingn

Gäste aus Finnland – Schützenverein Liperi – Oberst Mika Sotikov mit Adjutantin Pia Kakanaingn

Als Ehrengäste konnte Oberst Heinrich Marbs unter anderem den Innenminister des Landes Schleswig-Holstein Klaus Schlie, vom Landessportverband Dr. Tim Rausche, den Kreispräsidenten  Meinhard Füllner, den Vizepräsidenten des NDSB Peter Kröhnert, den Kreisvorsitzenden Willi Holst, den Kreiskönig  Hans-Peter Lange, vom Kreissportverband Detlef Rodust, sowie den Bürgermeister Uwe Möller begrüßen. Auch aus dem fernen Finnland sind aus der Patengemeinde Liperi Oberst Mika Sotikov mit seiner Adjutantin Pia Kakanaingn vom Schützenverein Liperi angereist.

Oberst Heinrich Marbs begann seine Festrede mit den Worten: Es war einmal, oder aber auch es begab sich zu einer Zeit…, ja  so beginnen Märchen, Sagen und andere Geschichten. Er stellt die Frage: Gibt es sie wirklich, die großen Abenteuerhelden? Diese mutigen Pioniere, die unerschrocken ihren Weg gehen, die immer wieder ihr Schicksal herausfordern? Ja es gab sie, und es gibt sie auch heute. Denn schon 1911 hieß es in Pötrau „Tolerant auf festen Fundament“. Im November 1911 fanden sich neun Pötrauer Bürger zusammen und gründeten den Schützenverein Pötrau und Umgegend. Zum ersten Vorsitzenden wurde damals Ludwig Niemann gewählt. Wilhelm Beckmann erwarb die in der „Mordmühle“ gelegene Scherersche Buschkoppel. Dort wurde der erste Schießstand mit je zwei 100 m und 75 m Ständen gebaut. Das erste Schützenfest feierte man Pfingsten 1912. Der erste König der Vereinsgeschichte war Heinrich Mente. 1949 wurde der Verein neugegründet. Bei der Gründungsversammlung waren 18 alte und 12 neue Mitglieder anwesend. Somit war der neue Verein „Büchener Schützenverein und Umgegend“ der Rechtsnachfolger des alten Schützenvereins von Pötrau und Umgegend. Viele Höhepunkte aber auch viele herbe Rückschläge erlebte der Verein in den letzten 100 Jahren.

In den folgenden Jahren wurden die Schießstände immer mehr erweitert und moderner. Heute hat der Büchener Schützenverein einen der modernsten Schießstände in Schleswig-Holstein. 2005 wurde die Bogensparte gegründet. 1954 gründete man die Jungschützenabteilung. Sportlich sind die Büchener Schützinnen und Schützen auf  Kreis-, Landes- und auch Bundesebene in den Jahren immer sehr erfolgreich gewesen.

Und so sei heute Abend besonders den Gründern und den Verstorbenen Schützen gedankt und  gedacht, die unseren Schützenverein auf ein „Festes Fundament“ gestellt haben.

Denn einen Verein 100 Jahre am Leben zu erhalten war und ist bestimmt nicht immer leicht gewesen, damals wie heute sagte Oberst Marbs. Und so kann es auch in Zukunft für uns Büchner Schützen nur heißen „Tolerant auf festem Fundament“. Auch wenn wir in der Öffentlichkeit  gegen viele Vorurteile  kämpfen müssen, werden wir unseren Weg gehen, und begeistern auch weiterhin Menschen für eine faire und disziplinierte Sportart und eine noch lange lebende Tradition.

„Die älteren Schützen haben ein große Verantwortung“, sagte Innenminister Klaus Schlie auf dem Festkommers. Neue Mitglieder in den Schützenvereinen würden von Anfang an von den erfahrenen Schützen betreut. Das sei eine gute Tradition und habe sich bewährt. Der verantwortungsbewusste und sachgerechte Umgang mit der Waffe sowie eine moderne und richtige pädagogische Betreuung junger Menschen machten es erforderlich, sich ständig weiterzubilden. „Der Schießsport verlangt ein besonders hohes Maß an persönlicher Integrität“, sagte Schlie.

Innenminister Schlie überreicht die Urkunde des Ministerpräsidenten an Oberst Heinrich Marbs

Innenminister Schlie überreicht die Urkunde des Ministerpräsidenten an Oberst Heinrich Marbs

Schützenvereine bereichern nach Überzeugung des Innenministers die Angebotspallette sportlicher Betätigungen. Neben den Leistungssportlern gebe es eine große Zahl von Mitgliedern, die sich beim sportlichen Schießen vom Alltag erholten. Schützenvereine seien für fast alle Altersgruppen und aus nahezu allen Bereichen der Gesellschaft attraktiv. „Schützen sind Sportler, die einem anspruchsvollen Sport nachgehen“, sagte der Innenminister Er überreichte dem Schützenverein eine Plakette des Bundespräsidenten Christian Wulff, eine Urkunde des Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und einen Gutschein in Höhe von 250 Euro für die Jugendarbeit.

Dr. Tim Rausche vom Landessportverband übergibt einen Scheck für die Jugendarbeit an den Jugendwart Michael Pieper

Dr. Tim Rausche vom Landessportverband übergibt einen Scheck für die Jugendarbeit an den Jugendwart Michael Pieper

Oberst Heinrich Marbs mit der überreichten Sportplakette des Bundespräsidenten

Oberst Heinrich Marbs mit der überreichten Sportplakette des Bundespräsidenten

Ein 100 jähriges Jubiläum ist für einen Verein ein freudiger und besonderer Anlass. Schließlich ist es in der heutigen unbeständigen Zeit nicht selbstverständlich, dass die Tradition und der Sport durch viele ehrenamtliche Helfer bewahrt werden, so Vizepräsident Peter Kröhnert in seinem Grußwort. Unter den Amokläufen und dem verschärften Waffengesetz leiden die Schützenvereine in den letzten Jahren. Den Schützenvereinen wurden Vorwürfe aus der Gesellschaft, was Jugendlichen im Bezug mit Sportwaffen betrifft, gemacht. Aber die Schützenvereine im Land verstehen es, die negativen Aussagen zu widerlegen, und beweisen durch ihre verantwortungsvolle und erfolgreiche Jugendarbeit das Gegenteil.

Ein Verein kann 100 Jahre lang nur so erfolgreich bestehen, wenn Gemeinschaft und Bürgersinn beständig gelebt werden, der Verein in seinem Ort in der Bevölkerung verankert ist und mit der Zeit und ihren Veränderungen mitgegangen ist. Dieses ist dem Schützenverein Büchen und Umgegend bis heute gelungen, so Bürgermeister Uwe Möller. Der Schützenverein war und ist ein fester Bestanteil unseres lebendigen Vereinsleben in Büchen.

Nach den vielen Grußworten, guten Wünschen und Geschenken saß man noch gemütlich bei Musik, Essen und Getränken ein paar Stunden zusammen.


Ein Schießbuch aus dem Jahre 1926

Schießb. von 1926Auf dem Festkommers, anlässlich des 100 jährigen Bestehens des Schützenvereins Büchen und Umgegend hatte Schützenoberst Heinrich Marbs noch eine Überraschung für Jürgen und Jan Martens.

Schützenoberst Marbs hatte ein Schießbuch aus dem Jahre 1926, was auf Otto Martens, Vater und Großvater von Jürgen und Jan, ausgeschrieben war.

Es gäbe keine bessere Gelegenheit dieses Schießbuch an die traditionsreiche Schützenfamilie Martens zu überreichen, als auf diesem Festkommers, so der Oberst.

Bevor Oberst Marbs das Dokument überreichte, sagte er noch ein paar Sätze zum Eigentümer.
Schon im Jahr 1973 wurde er für 50jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Er war nicht nur ein begeisterter Sportschütze sondern auch ein Waffenexperte. Mitte der 60iger Jahre hatte Oberst Marbs, als Jugendlicher die Gelegenheit beim Einschießen eines Jagdgewehres seines Vaters dabei zu sein. Und was er da vor fast 40 Jahren sah, wäre in der heutigen Zeit undenkbar. Otto Martens setzte sich auf seinen Jagdhocker auf dem Waldhallenweg, richtete die Waffe ein und schoss dann quer über den Schützenplatz und quer durch das damalige Schützenhaus (das damals ein Holzunterstand war) hindurch. Und das mit einem Kaliber 8,15 x 46, heute eher für die Büffel oder Elefantenjagd geeignet. Auch seine Geschichten sind bis heute unvergessen und bleiben ein Leben lang erhalten.

An die Jugend gerichtet sagte Oberst Marbs, hört hin wenn euch ältere Schützen aus ihrem Leben erzählen, denn ein Computerspiel das ihr heute kauft, ist morgen alt und vergessen. Aber die Geschichten bleiben ein Leben lang unvergessen.